Picco der Aussenseiter

01/02/2018

2013 war ich noch ein süsses Katzenbaby. Die Missbildung meiner Krallen gab mir einen Mitleidsbonus – ich wurde so geboren; meine Krallen sind kreuz und quer gewachsen und ich kann 19 (von insgesamt 20) nicht einziehen, wie ‚normale’ Katzen. Nunja, kleine Abweichungen vom sogenannten Schönheitsideal betreffen auch manchen von Euch. Ihr (wie ich) seid Euch dem meist gar nicht bewusst: ist halt so! Und das ist auch gut so, denn das Aussergewöhnliche macht uns so einzigartig. (Da war mal eine unförmige Madame, die beim Anblick eines wirklich netten Babies, das nur mit einem Ohr geboren wurde, ausrief: Nein, wie hässlich!! Wer adoptiert denn sowas...?!?)

Zusammen mit Schwesterchen Luna wurde ich –vermutlich in guter Absicht- adoptiert. Drei Jahre später (2016) fanden wir uns wieder hier, denn Ihr unterschreibt dafür uns zurück zu bringen, wenn wir nicht länger bei Euch bleiben können. In unserem Fall wollten unsere damaligen Dosenöffner endlich in ihre eigene Bleibe umziehen. Weil aber das Haus nicht zum vereinbarten Termin fertig wurde, sie aber ihre bisherige Unterkunft schon gekündigt hatten, mussten sie bei den Schwiegereltern Unterschlupf finden. Die bestanden aber auf: keine Haustiere! Daher kamen wir hierher zurück, mit der Option: dürfen wir sie zurückholen, falls sie nach Fertigstellung des Hauses immernoch hier sind? Und tatsächlich: 2017 war der Einzug und wir waren immernoch hier – sie wollten uns direkt nach dem gebuchten Oster-Urlaub wieder heim holen. Das gleiche nach Pfingsten.... (Mittlerweile wurde im Tierheim festgestellt, dass wir in den vergangenen Jahren unabhängig von einander mehrfach in der Familie herumgereicht wurden, vielleicht sind wir deshalb nicht so ausgeglichen und zutraulich). Im Sommer fanden wir eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, dass wir uns nicht mehr zu melden bräuchten, derweil eine Rücknahme nicht in Frage käme!

Meine Photos sind fast alle unscharf, da ich mich gerne in dunklen Kratzbaum-Löchern verstecke und nur selten aus meinem Schneckenhaus herauskomme. Ich bin schreckhaft und versuche vor Euren Händen zu flüchten. Das ist vermutlich ein Resultat aus Charakter und Sozialisierung – Luna ist genauso.

Freilauf brauche ich nicht, denn Unbekanntes ängstigt mich (im Gegensatz zu Luna, die ist bei gutem Wetter viel draussen). Einige von Euch haben sich bereits ausgiebiger für mich interessiert, weil sie einer Mieze keinen Auslauf bieten können. Aber den meisten war ich zu scheu (auch wegen vorhandener Kindern) oder mir stand mein Krallenproblem im Weg: Parkettboden oder Scheu vorm regelmässigen (professionellen?) Schneiden. Dabei bekomme ich sie hier doch auch gekürzt! Ist kein Problem: ich halte brav still und der Doc macht schnipp-schnapp.

Einmal hat’s jemand gewagt und mich adoptiert, aber nach drei Tagen hat mich irgendwas verschreckt, ich habe heftig zugebissen und musste prompt wieder hierher zurück. Bis dahin habe ich aber brav gefressen und mein Klo benutzt. Ich habe mich sogar ein bisschen anfassen lassen, trotz der ungewohnten Umgebung! Nun hoffe ich darauf, dass es nochmal jemand mit mir wagt und ich dort bleiben darf!